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Börsenwissen Teil 3

Der erste Börsengang

boersengang-4Der Börsengang eines Unternehmens will gut vorbereitet sein. Denn sein Erfolg oder Misserfolg kann sich auf die Zukunft des Unternehmens auswirken.

Beispiel 2014 – Zalando:  Ein Spalier aus Puppen am Eingang des Frankfurter Börsengebäudes – die Fassade verkleidet als riesiges Zalando-Paket. Schon von Weitem war zu erkennen: Deutschlands größter Online-Modehändler feierte Anfang Oktober 2014 seinen Börsengang. Mit Handelsbeginn lag der erste Kurs mit 24,10 Euro zwar bereits 12 Prozent über dem Ausgabepreis, blieb damit aber etwas unter den Erwartungen. Der erste Schritt war geschafft: Das IPO („Initial Public Offering” = erstmaliges öffentliches Angebot)

 

 

Ein IPO läuft in der Regel auf folgende Weise ab:

  1. Auswahl einer Emissionsbank

Jedes Unternehmen, das an die Börse will, wird von einem Konsortium, d. h. einem vorübergehenden Zusammenschluss aus Banken, begleitet. Die einzelnen Banken präsentieren dem Unternehmen bei ipoeinem sogenannten Beauty Contest ihre Vorstellungen zum Emissionskonzept und Emissionspreis (von Lateinisch: emittere = aussenden, herauslassen). Eine der Banken wird in der Regel zum Konsortialführer bestimmt. Diese übernimmt die Geschäftsführung und Vertretung der Emission.

  1. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Das Unternehmen wird von Anwälten, Wirtschaftsprüfern und sonstigen Sachverständigen gründlich untersucht. Die Ertrags- und Geschäftslage, das Geschäftsmodell, die Marktstellung, die Unternehmensentwicklung und rechtliche Aspekte werden analysiert. Die Ergebnisse münden in einem rechtlich verbindlichen Börsenprospekt (auch Börsenzulassungsprospekt), mit dem die Öffentlichkeit informiert wird. Die Vollständigkeit aller erforderlichen Angaben wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüft. Eine Kommunikationsagentur unterstützt das Unter- nehmen bei der anschaulichen Umsetzung und der anschließenden Öffentlichkeitsarbeit.

  1. Roadshow

Jetzt geht das Unternehmen mit dem Konsortialführer auf „Tournee“. Es wirbt bei potentiellen Anlegern für die Abnahme von Aktien. Das Interesse möglicher Abnehmer wird ausgewertet.

  1. Festlegung des Emissionspreises, Zeichnung und Zuteilung der Aktien

Wie wird nun der Preis bestimmt, zu dem ein neu aus- gegebenes Wertpapier zum Kauf angeboten wird? Der sogenannte Emissionspreis kann auf drei unterschiedlichen Wegen bestimmt werden. In allen drei Fällen gibt es eine Zeichnungsfrist, innerhalb derer schriftliche verbindliche Kaufangebote abgegeben werden können. In der Fachsprache heißt es, die Käufer „zeichnen” die Aktien.

  • Beim Festpreisverfahren weiß der Anleger schon vor dem Börsengang genau, welchen Preis er für die Aktie des Unternehmens zahlen muss.
  • Beim Auktionsverfahren geben die potenziellen An leger Gebote für Preise und gewünschte Mengen der Aktien ab. Unrealistisch hohe oder zu niedrige Gebote werden nicht berücksichtigt. Nach Ende der Zeichnungsfrist werden die Aktien in der Reihenfolge des gebotenen Preises, angefangen beim höchsten Gebot, zugeteilt. Die Zuteilung erfolgt, bis die gesamte Menge der emittierten Aktien erschöpft ist. Der Preis der letzten Zuteilung ist dabei der Emissionspreis.
  • Bei den meisten Börsengängen der letzten Jahre wurde der erste Preis aber im Bookbuilding-Verfahren ermittelt. In diesem Fall legen Konsortialführer und Emittent eine Preisspanne fest, innerhalb derer der Emissionspreis liegen wird. In diesem Rahmen müssen sich die Gebote der Nachfrager mit Nennung der Stückzahl und eines Maximalpreises bewegen. Anhand der eingehenden Zeichnungsaufträge wird nach dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“ am Ende ein Emissionspreis festgelegt. Angebote unter dem so ermittelten Preis werden bei der Aktienvergabe nicht berücksichtigt. Anleger, die über dem Emissionspreis geboten haben, erwerben die Aktien nun zum Emissionspreis.

 

Was passiert bei einer Überzeichnung, wenn die Nachfrage nach Aktien das Angebot übersteigt?

Während beim Auktionsverfahren schon durch das Verfahren selbst geregelt ist, wer welche Aktien erhält, boersengang-3müssen der Emittent und die beteiligten Banken die Zuteilung beim Festpreis- und Bookbuilding-Verfahren separat regeln. Im Falle einer Überzeichnung können sie qualitative Kriterien berücksichtigen, z. B. können sie langfristig orientierte Anleger bevorzugen. Eine andere Möglichkeit ist, nach dem Losverfahren vorzugehen.

  1. Erstnotiz

Nach der Zuteilung geht die Aktie an die Börse. Der erste Kurs am ersten Handelstag, der für eine Aktie festgestellt wird, heißt Erstnotiz. Liegt der Emissionspreis, zu dem die Aktien ausgegeben wurden, unter dem ersten Kurs, verzeichnen die Anleger einen Zeichnungsgewinn.

  1. Normaler Börsenhandel

Danach wird die Aktie regulär an der Börse gehandelt

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